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  • Bereit für die Energiewende

    Bis spätestens 2038 soll das letzte Kohlekraftwerk in Deutschland vom Netz gehen – das wurde gesetzlich im Sommer 2020 endgültig beschlossen. STEAG Power Minerals bereitet sich schon seit einigen Jahren konsequent und vorausschauend auf die Veränderungen im Energiesektor vor.

    Eine Ära neigt sich dem Ende zu: Nach langen Verhandlungen wurde im Sommer 2020 ein verbindlicher Fahrplan zum Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland beschlossen. Das  Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG), das am 14. August 2020 in Kraft getreten ist, gibt den Akteuren des Energiesektors ab sofort die Marschroute für die kommenden Jahre vor. Das Gesetz soll einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der nationalen und auch der europäischen Klimaziele leisten, die wiederum Teil des Pariser Klimaabkommens sind, das Ende 2015 auf der internationalen Klimakonferenz in Frankreich von fast allen Ländern der Welt beschlossen wurde. Konkret hatte die EU sich im Pariser Abkommen verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu reduzieren.

    Kohlekommission stärkt betroffene Regionen
    Wegbegleiter des politischen Entscheidungsprozesses war die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung (KWSB). Die Bundesregierung hatte das Organ 2018 eingerichtet, um vor allem für eine sozialverträgliche Umsetzung des Kohleausstiegs zu sorgen. Im Januar 2019 legte die KWSB, umgangssprachlich auch Kohlekommission, ihren Abschlussbericht vor. Er diente als Basis der nun erfolgten Entscheidungen zum Ausstieg aus der Kohleverstromung. Vor allem sollen die betroffenen Kohleregionen in den kommenden Jahren wirtschaftlich gestärkt werden: „Wir wollen auch in Zukunft ein wettbewerbsfähiges Industrieland bleiben. Dabei werden wir alle unsere klimapolitischen Ziele erreichen“, begründete Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, diesen Schritt. Dazu verspricht der Bund, das Rheinische Revier und die ostdeutschen Braunkohleregionen in Mitteldeutschland und in der Lausitz bis 2038 mit bis zu 40 Milliarden Euro zu unterstützen. Strukturschwache  Kommunen mit Steinkohlekraftwerken werden mit einer Milliarde Euro unterstützt.

    Ausstieg ist schrittweise geplant
    Für die Betreiber von Kohlekraftwerken in Deutschland bedeutet das nun: Bis spätestens 2038 sollen alle Anlagen vom Netz gegangen sein. Ab 2020 werden die Stein- und Braunkohlekraftwerke schrittweise abgeschaltet. Bis 2022 soll der Anteil der Kohlekraftwerksleistung auf jeweils 15 Gigawatt (GW) Braun- und Steinkohle reduziert werden. Bis 2030 sind weitere Verringerungen auf 9 GW (Braunkohle) und 8 GW (Steinkohle) Leistung vorgesehen. Ab 2020 werden dafür Steinkohlekraftwerke über Ausschreibungen stillgelegt, die bis 2027 geplant sind. Im Klartext heißt das: Wer seine Anlage  abschaltet, erhält eine finanzielle Entschädigung dafür. Dabei erhält derjenige Betreiber den Zuschlag, der den geringsten Betrag veranschlagt. Nach 2027 sind im Bereich Steinkohle nur noch gesetzlich angeordnete Stilllegungen ohne Entschädigungen vorgesehen.

     

    „Der Kohleausstieg kommt nicht überraschend. Wir sind vorbereitet und haben unsere Unternehmensstrategie konsequent auf Veränderungen in der Energiebranche ausgerichtet.“
    Dr. Kai Roger Lobo, stellvertretender Leiter des Büro Berlin, STEAG GmbH

     

    STEAG kritisiert Art und Weise der Umsetzung
    Die erste Auktionsrunde wurde am 1. September eingeläutet: 4.000 Megawatt (MW) Steinkohlekraftwerksleistung wurden ausgeschrieben und sollen bereits Ende 2020 vom Netz genommen werden. Auch STEAG beteiligte sich daran. Die mitbietenden Kraftwerksbetreiber dürfen in der ersten Runde maximal 165.000 Euro Entschädigung pro MW verlangen. Voraussichtlich bis 1. Dezember wird die Bundesnetzagentur  verkünden, wer den Zuschlag erhält. Insgesamt sind vorerst acht Auktionsrunden angesetzt. Steinkohlekraftwerken, die bis 2027 an keinem dieser Bieterverfahren teilgenommen haben, droht dann die entschädigungslose Abschaltung. Diesem Schritt entgehen nur Kraftwerksbetreiber, die ihre Anlagen beispielsweise über das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) auf Gas umrüsten. Dafür sind ebenfalls Fördersummen des Bundes vorgesehen. Geplant ist auch eine noch näher auszugestaltende Härtefallregelung für junge Steinkohleanlagen mit Inbetriebnahme seit 2010. Während Steinkohlekraftwerke also in Stilllegungsausschreibungen miteinander konkurrieren müssen und später sogar eine entschädigungslose Stilllegung vorgesehen ist, wurden den Betreibern von Braunkohlekraftwerken direkte Entschädigungen ohne Bieterverfahren zugesagt. Insbesondere gegen diese Ungleichbehandlung von Braun- und Steinkohlekraftwerksbetreibern klagte STEAG per Eilantrag vor dem Bundesverfassungsgericht. Diese wurde jedoch aufgrund der kommunalen Anteilseignerstruktur von STEAG abgewiesen, ohne dass eine Befassung in der Sache erfolgte. „Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ist für STEAG eine herbe Enttäuschung“, sagt Joachim Rumstadt, Vorsitzender der STEAG-Geschäftsführung. „Wir akzeptieren den politischen Willen, in Deutschland künftig auf den Energieträger Kohle zu verzichten. Wir kritisieren jedoch die mangelhafte Art und Weise, wie der Kohleausstieg umgesetzt wird“, betont er. Ab 2028 werden Steinkohlestilllegungen schließlich nur noch über Ordnungsrecht vorgenommen. Zudem will die Bundesregierung in den Jahren 2026, 2029 und 2032 überprüfen, ob der Kohleausstieg vorgezogen werden kann, um ihn möglicherweise schon auf 2035 oder sogar noch früher vorzuziehen.

    Versorgung mit Flugasche und Granulat für Jahre gesichert
    Der Kohleausstieg hat nicht nur Auswirkungen auf die Zukunft der Energieerzeugung, sondern auch für flankierende Branchen wie die Vermarktung von Kraftwerksnebenprodukten. „Auf diese Veränderungen im Energiesektor bereiten wir uns schon länger vor und richten unser Geschäft strategisch auf die Herausforderungen der Zukunft aus“, sagt Nils Jansen, Leiter des Geschäftsbereichs Kraftwerksnebenprodukte bei STEAG Power Minerals. So ist STEAG Power Minerals in der Lage, seine Kunden noch über viele Jahre mit Flugaschen aus deutschen Kraftwerken zu versorgen. Tatsächlich sollte sich die Situation an den  verbleibenden Standorten sogar verbessern: „Wir rechnen hier mit weniger Volatilitäten bzw. Produktionsschwankungen im Jahresverlauf“, so Jansen.

    Auch der Geschäftsbereich Strahlmittel bei STEAG Power Minerals hat die Weichen für die Zukunft gestellt: „Im ersten Schritt haben wir uns die Verfügbarkeit vorhandener Schmelzkammergranulat-Quellen in Deutschland gesichert. Derzeit können wir noch auf bedeutende Mengen frischen Granulats aus zwei deutschen Kohlekraftwerken zurückgreifen. Den größten Anteil davon haben wir exklusiv für die kommenden Jahre unter Vertrag genommen“, so Marcus Klenke, Leiter des Geschäftsbereichs Strahlmittel bei STEAG Power Minerals. Darüber hinaus wurde über viele Jahre jede Tonne, die nicht für die Produktion benötigt wurde, auf Lager gelegt. Durch diese Maßnahmen stehen ausreichende Mengen für die Produktion von Strahlmitteln bereit. Auch das Angebot nachhaltiger Alternativen bereitet STEAG Power Minerals jetzt schon vor. So wird isländischer Lavasand der Rohstoff des neuen Strahlmittelproduktes sein, das in 2022 am Markt erhältlich sein wird. „In jedem Fall sind wir für die Herausforderungen der Energiewende bestens gerüstet und können unsere Kunden langfristig mit hochwertigen Betonzusätzen und Strahlmitteln beliefern“, sagt Andreas Hugot, Sprecher der Geschäftsführung von STEAG Power Minerals.